Ansichten eines Aktienanlegers

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Lage & Szenarien vom 21.4.2020

Warum DAX & Co. mir nicht die neuen Aktienperlen verraten (- und wo ich sie stattdessen finde)

Lage. 1.785 Corona-Neuinfektionen in Deutschland, „laut RKI-Tagesstatistik”. Wir bleiben „ungefähr auf dem niedrigen Niveau des Vortags. Der Abwärtstrend, der Anfang April eingesetzt hat, ist weiter intakt”, meldet heute Morgen Olaf Gersemann, Ressortleiter Wirtschaft & Finanzen bei der WELT. - Die Weltgesundheitsorganisation nennt für den gestrigen Montag 26.900 Corona-Neuinfektionen. Das ist der niedrigste Wert seit einem Monat.

Für mich bedeutet das: Das Thema „drohende Corona-Katastrophe” ist zur Zeit abnehmend wichtig. Für die Börse. Nicht für die Betroffenen natürlich. Aber die Börse verhandelt Wirtschaft, sie kümmert sich nicht um Einzelschicksale.

Verhandelt werden an der Börse natürlich und weiterhin und monatelang die wirtschaftlichen Auswirkungen der schlimmsten Pandemie seit der Spanischen Grippe. Aber die Panik vor der unmittelbaren Wucht einer lebens- und menschheitsbedrohlichen Viruskrankheit: Die ist aus dem Markt heraus, er hat sein neues Normal gefunden. Es ist, so sehe ich es, wirklich ein neues Normal, wir sind nun in der nach-Corona-Zeit, welche die üblichen Indizes nicht korrekt widerspiegeln.

Wer als Anleger, um den Markt für sich zu beurteilen, auf bekannte Index-Namen setzt wie DAX, DOW, S+P, der lässt sich womöglich in die Irre führen. Was am Markt bedeutet, es kann schnell teuer werden. Um zu verstehen, was den Markt in der nach-Corona-Zeit antreibt, um ein Szenario zu entwerfen, hilft es mir, auf einzelne, börsennotierte Unternehmen, statt auf Indizes zu schauen.

Szenarien. Der Chart oben zeigt die Kursentwicklung des kanadischen Unternehmens Shopify. Tobias Lütke hat es gegründet. Der 39-Jährige machte in Koblenz seinen Realschulabschluss und in Kanada seine Millionen. Er wollte Snowboards online verkaufen, aber die vorhandenen Onlineverkaufsprogramme stellten ihn nicht zufrieden. So entwickelte er seine eigene Onlineverkaufssoftware. Andere Onlinehändler rissen sie ihm geradezu aus den Händen, Shopify war geboren, ging 2015 in New York an die Börse.

  • Der Shopify-Chart startet im Juli 2017, dort habe ich die Wertentwicklung auf 0 Prozent gesetzt. Heute sind wir bei 600 Prozent.
  • Die unauffällige Linie, die um den Nullpunkt mäandert … das ist der deutsche DAX, der die „Crème de la Crème” der deutschen Industrieunternehmen abbildet … Wertentwicklung unter Null …
  • Die zwei Pfeile zeigen die Auswirkungen des Februar/März-Absturzes aus diesem Jahr. Shopify steigt aus seinem Kursrückgang innerhalb von zwei Wochen heraus und steigt sogar auf einen neuen Höchststand. Der Dax aber erholt sich bis heute nicht richtig vom Rückschlag …

Alter, Frank, da hast du mit Shopify einen Sonderfall rausgekramt, hübsch, aber Sonderfall. - Nein. Es gibt zehn, dreißig, fünfzig ähnliche Charts. Keine Zockerbuden, keine Klitschen. Etwas anderes verbindet die Unternehmen. Es sind Unternehmen für die Zeit nach Corona. Sie haben die richtigen Lösungen im Social-Distancing-Zeitalter. Die Indices spiegeln das nicht. Gearbeitet, entwickelt, Gewinn und Zukunft gemacht wird woanders. Es ist meine Aufgabe als Investor, das Woanders zu finden. Möglichst vor anderen. - fs

(Und noch: Weil man das so schreibt und weil ich es so meine. Dies ist keine Empfehlung zum Kauf der genannten Aktie. Sie diente lediglich als Beispiel, um meine These zu illustrieren.)