Ansichten eines Aktienanlegers

Analysen aktuell | Analysen 2020 | Grundlagen | Newsletter

Lage & Szenarien vom 8.6.2020

Wie die Besten am Aktienmarkt in den letzten Wochen investierten - und wie es nun weitergeht

Lage. Für die Anleger, welche am talentiertesten und besten sind: Für sie ist die Lage rosig. Sie sind zufrieden. Sie haben die Verluste, die auch sie in den Wochen nach dem Einbruch erlitten haben, längst ausgebügelt … ihre Depotstände sind sogar höher als vor der Corona-Krise. Wie haben sie das gemacht?

Das ist doch Voodoo, Hexer- oder Zockerei?! Nein, ist es nicht. Es ist eine außerordentliche Leistung, aber es hat mit Zocken nichts zu tun. Im Prinzip kann jeder Anleger eine ähnliche Performance erzielen. - Das hört sich nun nach einer etwas optimistischen Annahme an, deswegen möchte ich es genauer erklären: Schaue ich mir den Chart oben an, dann demonstriert das Gesamtbild zunächst die tolle Leistung derjenigen, die nun im Plus sind. Denn vor dem Einbruch, da stand der S+P 500 höher, als er jetzt steht. - Ach so, der Chart zeigt den amerikanischen S+P-Index an, welcher die großen, aktiennotierten US-Werte spiegelt. Jede Kerze stellt einen Börsentag dar. - Wir sehen den stetigen Anstieg, kommen aus 2019 heraus, weiter steigen die Kursen bis in den Februar 2020, dann realisiert der Markt die Coronagefahren und legt einen wahrhaft historischen Absturz hin.

Aus dem heraus er zu einem ebenso historischen Anstieg ansetzt und ihn gnadenlos durchzieht. — Wer nicht mitzog, schaute nur noch hinterher … und nun?

Szenarien. Vor zwei Wochen habe ich in Lage & Szenarien geschrieben, es gehe weiter nach oben. So ist es gekommen. Aber nun, wohin läuft der Markt? — Das wollen alle gern wissen. Aber nur einer weiß es. Gott. Oder, konfessionsübergreifend und modern gesprochen „jenes höhere Wesen, das wir verehren” (Copyright Böll, Dr. Murkes gesammeltes Schweigen). Auch die Besten, deren Depotstände nun höher sind als vor Beginn der Krise, wissen die Antwort nicht. Ihr Erfolgsgeheimnis ist ganz woanders, ich habe es mit den Pfeilen eingezeichnet. Der Pfeil links zeigt schräg nach unten. Was machten die Besten in der Zeit? Nun, sie verkauften. So einfach ist das. Sie sahen den Trend, nichts anderes zeigt der Pfeil, und verkauften. Je früher sie verkauften, je besser waren sie, die Besten. Da die Besten natürlich an der Wallstreet sitzen und die größten Positionen handeln … passierte folgendes: Die Kurse fielen weiter. Viele Privatanleger dagegen krallten ihre Papiere fest und schauten zu, wie sich Verluste aufbauten.

Nun kommt der Pfeil 2, er zeigt schräg nach oben. Privatanleger schnauften durch, sie hatten es doch gewusst, der Markt wird sich erholen und er erholt sich! - In Wirklichkeit haben sie gar nichts gewusst. Niemand wusste etwas. Sie haben gehofft, die kralligen Privatanleger. Die Sache hätte auch ins Auge gehen können …

Aber die Besten, die fingen nun an zu kaufen. Gleiches Spiel: Sie haben die größten Positionen, sie bewegen richtig Geld und befeuern die Kurse — und sie sehen den Trend, den Pfeil nach oben. — Nun sind wir bei der letzten Kerze rechts im Chart, das ist der Freitag aus der letzten Woche, ich habe ihn eingekringelt, und dort, an diesem Tag haben die Besten und auch wohl die Halbbesten endgültig größere Gewinne gemacht als die Dauerhalter. Die Wallstreetiers haben versucht, von ihren Depothöchststände aus dem Februar möglichst wenig abzugeben, sie haben also verkauft und mit dem aufgebauten Cash angefangen zu kaufen, als es wieder nach oben ging. Man könnte das Verfahren Verluste minimieren und Gewinne aufstapeln nennen oder Babysitten von Positionen oder wie auch immer. Der Name ist egal, das Verfahren ist das Interessante.

Wussten die Krisenprofiteure, dass es weiter nach oben ging? Nein. Sie haben den Chart gesehen, den ich oben zeige; der Chart ist ein Rückspiegelbild, man sieht in ihm, wie es gewesen ist, wann es herunter ging, wo womöglich der Tiefstand war … und dann haben sie im Aufwärtstrend gekauft. Da sie nicht so viel Verluste gemacht haben, wie diejenigen, die den ganzen Weg mit hinunter gegangen sind, konnten sie nun Gewinne aufbauen und haben eine bessere Performance als die Immerdabeibleiber. Freitag nun, ich habe dort eben den Kringel gemacht, beschleunigte sich der Trend. Man nimmt einige Gewinne mit, stellt sich keineswegs gegen den Markt, „shortet” also nicht. Sondern man zieht die Stopps enger heran und schaut, was der Markt macht. Zögert er, bleibt man dabei. Geht er hoch, ist man dabei. Kippt er, helfen die Stopps, möglichst wenig von den aufgelaufenen Gewinnen abzugeben.