Ansichten eines Aktienanlegers

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Lage & Szenarien vom 27.9.2020

Vom Wert der Linien

Das Bild oben zeigt den Kursverlauf des Index’ S+P 500, in welchem die großen US-Aktienunternehmen zusammengefasst sind. Ich habe exakt den Chart genommen, den ich letzte Woche gezeigt habe, auch die drei Pfeile habe ich gelassen. Und nun blinken am rechten Ende fünf neue Kerzen. Sie zeigen, wie es mit dem Markt weiter gegangen ist.

Nun wird es spannend. Ich sehe hier am lebenden Beispiel, was ein Chart kann und was er nicht kann. — Letztes Wochenende sagte ich, es bestehe die Chance, dass insbesondere die kleineren Werte nun aufholen würden, während Big Tech verschnaufe beziehungsweise Gewinne abgebe. Die drei Pfeile zeigten das Stopp-Level an: eine in Gedanken gezogene Linie, welche sich aus dem Chart ergab; dreimal wurde sie angelaufen und abgewiesen, hatte sich damit etabliert und sollte sie nun doch gerissen werden, müsste man Positionen reduzieren. In den darauffolgenden Tagen wurde das Level tatsächlich unterschritten … hier liegt der Wert des Charts. Ich weiß im Vorhinein, wie ich mich zu verhalten habe, wenn eine Situation eintritt. Ich laufe nicht herum wie ein aufgescheuchtes Huhn, sondern ich sichere Gewinne, reduziere Engagements. Planmäßig und ohne Panik.

Statt Gewinne bei kleinen Aktien zu suchen, weiß ich im Moment, da die Kurse unter das Level tauchen, dass der Markt ein anderes Programm spielt, und ich kann mich umstellen. Am Aktienmarkt geht es nicht darum, Recht zu haben. Es geht darum, Gewinne zu haben. Gewinne habe ich nur, wenn ich erkenne, was die Marktcharakteristik im Augenblick ist und ich mich danach richte.

Ein Mittel, um zu erkennen, was der Markt macht, ist ein Chart. Es sagt nicht die Zukunft voraus, aber es gibt mir durch aufgespeicherte und sichtbar gemachte Vergangenheit Kriterien, um zu wissen, wie ich mich in der Zukunft verhalte, wenn Situationen eintreten.

Lage. Der Markt liebt es, beim Anleger maximale Unsicherheit zu erzeugen. Wie kann er das Stand heute, Sonntag, den 27.9.2020, am besten erreichen? Nun … indem er den Index (siehe Bild oben) nach einigen Irrungen und Wirrungen ziemlich genau da wieder ankommen lässt, wo er letzte Woche um diese Zeit bereits gestanden hat 😊 und wir uns das als Anleger verdutzt anschauen und … ratlos sind. Nicht ganz … das möchte der Markt gern, das wir uns ratlos am Kopf kratzen … aber unter der Decke, da gibt er Hinweise.

Szenarien. Unter der Decke bedeutet: bei Einzelaktien. Ich schaue mir Apple an, den Big Tech-Wert überhaupt. Die Aktie legte einen sagenhaften Aufstieg hin aus dem Coronatief heraus. Bis der September begann. Da begannen auch die Schläge, welche die Big Tech-Unternehmen - und damit natürlich als einer ihrer Anführer auch Apple - einstecken mussten.

Während nun der Gesamtindex (Chart oben) in den letzten Tagen einen Boden zu finden versucht, man es aber auch noch als Fortsetzung des Abwärtstrends begreifen kann: ist Apple bereits weiter.

Donnerstag, da muss ich genau hinschauen, zeigt Apple ein höheres Tief als zwei Tage zuvor, und Freitag geht es geradezu heftig hinauf (siehe Apple-Chart über diesem Absatz). — Überblicke ich den gesamten Apple-Chart, so wirken die beiden letzten Septemberwochen in der Rückschau wie eine Übertreibung. Nun aber kommt Apple wieder auf der Spur, mag vielleicht noch einen oder zwei schwache Tage erleben, könnte aber an seinem Wiederaufstieg arbeiten und im Einkauf liegt auch beim Investor der Gewinn, er wird also den Kaufknopf heute schon mal entstauben, für den Fall der Fälle.

So rundet sich das Bild. Gibt Apple wirklich den Anführer, kehrt Big Tech zurück, so hat der Markt seinen Boden gefunden und startet in ein verheißungsvolles viertes Quartal. Zeigt Apple, zeigt der Markt in den nächsten Tagen weiter Schwäche, so bleibe ich weiter auf der Bremse. Der Chart, der Rückblick gibt die Kriterien für mein Verhalten, die Zukunft sagt er nicht voraus.

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