Ansichten eines Aktienanlegers

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Lage & Szenarien vom 20.9.2020

Schwache Hände bringen starke Chancen

Bereiten wir uns auf die nächste Handelswoche vor. Ich habe eine kurze Analyse, ein überraschendes Schaubild und eine klare Einschätzung.

Lage. Ich konzentriere mich auf die Aktienlage in den USA, dort ist bis auf weiteres der Nabel der Finanzwelt, im Zweifel holt auch der DAX sich seine Orientierung in Übersee. Die Kerzen oder Stäbchen des Charts oben zeigen den Kursverlauf des S+P 500, einem Index, in welchem die führenden US-Aktienunternehmen versammelt sind.

Jede Kerze zeigt einen Tag, der Chart beginnt links mit dem Anstieg der Kurse aus dem Corona-Tief vom Frühjahr. Ganz rechts sehen wir die letzten zwei Wochen. Eine unschöne, potentiell gefährliche Entwicklung: Die Kurse gingen bis Anfang September konsequent nach oben, der letzte Tag vor dem Abknicken zeugte geradezu von Übermut, dann der Absturz, drei Tage hintereinander.

Dort habe ich den ersten Pfeil gesetzt, dort kamen die Kurse ans Halten und dieses Niveau wurde in den darauffolgenden Tagen noch zweimal angelaufen. Die spitzen Dochte, die unten aus den bepfeilten Kerzen herauslaufen, sind Undercuts: Da spielt der Markt (oder ausgefeilte Algorithmen von Handelscomputern) mit uns, und sogenannte schwache Hände verlieren die Nerven, verkaufen Aktien, der Index schnappt wieder zurück …

Jetzt kommt eine interessante Beobachtung. All diese Geschehnisse im Index, sie sind nur die halbe Wahrheit. Wer auf Einzelaktien schaute, dem präsentierte sich ein abweichendes Bild. Während Big Tech - also die Amazons und Apples dieser Welt - Gewinne innerhalb von Tagen abgaben, die sie teilweise in Wochen erkämpft hatten, zeigten sich kleinere Unternehmensaktien unbeeindruckt oder gewannen sogar hinzu. Die Masse mochte denken, der Markt geriete ins Taumeln; doch in Wirklichkeit setzte eine Marktrotation ein, Geld floss aus gut gelaufenenen Big Tech-Werten in zurückgebliebene Werte.

Das ist ein gesundes Marktverhalten. Und obwohl die Kurse der großen Werte stark zurückkamen, setzte keine breite Verkaufswelle ein, von Panik keine Spur.

Szenarien. Die drei Pfeile markieren die Linie der Angst. Bleibt der Index oberhalb der Linie, heißt es für hungrige New Yorker Händler: risc on. Wir können uns einfach anhängen …

Taucht der Index unter die Linie, dann sollte man Risiken herausnehmen, die Kurse könnten Fahrt aufnehmen: nach unten.Risc on heißt investieren. In welche Segmente? Die Marktrotation dürfte weitergehen, mit Nachzüglern werde ich also gut bedient sein. Aber auch ein Comeback von Big Tech ist möglich, ihr Geschäftsmodell „Leben und Handeln in Pandemiezeiten” funktioniert schließlich, einzig die Kurse waren etwas vorausgelaufen.

Zum Schluss ein Blick auf den viel beachteten Fear & Greed-Index (F&G). Hier wird er erklärt: Link zu CNN.  Der F&G versucht zu messen, wie gierig oder wie ängstlich die Investoren gerade sind.

Im Chart habe ich den Zeitverlauf des F&G mit einer schwarzen, langsam blinkenden Linie eingeblendet. Je stärker die Linie steigt, je gieriger und risikofreudiger sind die Investoren; fällt die Linie, werden sie ängstlicher und ziehen Kapital aus dem Markt oder schichten in defensivere Titel um. Wir sehen, dass die Investoren - natürlich - genau da extrem ängstlich werden, da die Kurse im September heruntergehen und: noch immer sind sie ängstlich. 

Besser kann es kaum sein. Ängstliche Investoren auf der einen Seite und erkannte Chancen auf der anderen Seite sind eine lukrative Kombination für eigene Gewinne; und die drei Pfeile markieren die Linie für das unverzichtbare Risikomanagement.

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