Aktien Blog 2022 Ansichten eines Aktienanlegers
 Silicon Valley Bank - Auftakt zu einer neuen Bankenkrise?

Lage & Szenarien vom 12.3.2023

Die Hütte brennt

Von Frank Sauerland

Wenn hinter mir die Hütte brennt, kann ich unterschiedlich reagieren. Ich kann die Hände in die Hosentaschen stecken und weiter­spazieren, als wäre nichts geschehen. Ich kann mich auch umdrehen und überlegen, ob Weglaufen die schlauere Reaktion wäre. Ich drehe mich an diesem Sonntagmorgen um, da Banken krachen und Anleger fliehen.

Die Fakten: Zukunft der Fed-Zinserhöhungen

Was die Börse weiß, macht sie nicht heiß. Überraschungen dagegen bewegen Kurse. Eine Bankenkrise hatte niemand auf dem Zettel, auch der mächtigste Geldmann der Erde nicht, Fed-Chef Jerome Powell, der bei seinem Auftritt vor US-Politikern letzte Woche von weiteren Zentralbankzinserhöhungen sprach, um die Inflation in den Griff zu bekommen.

Da brannte die Hütte schon. Es merkte nur kaum einer. Am Mittwoch kündigte die Kryptobank Silvergate ihre Liquidation an, einen Tag später suchten Banker der wegen der Fed-Zinserhöhungen klamm gewordenen Silicon Valley Bank ungeschickt nach frischem Geld: nämlich hektisch und mit ängstlichem Blick. Angst ist ansteckend, Anleger zogen Gelder ab, stießen Bankenaktien ab, Kurse begannen zu fallen.

Am Donnerstag sackte der KBW Bank Index, ein wichtiger Branchenanzeiger, um 7 Prozent. Das war der größte Tagesverlust seit 2020. Freitag ging die Talfahrt weiter. Der SPDR S&P Regional Banking ETF (US-Symbol: KRE) verlor am Donnerstag sogar 8 Prozent, Freitag folgten weitere Verluste.

Die Lage: Weitere Bank in Schwierigkeiten

Am Freitag kündigte die Regionalbank First Republic an, eine Kapitalerhöhung zu benötigen. Dafür wurde die Aktie vom Markt verprügelt. Währendessen schloss der Staat die Silicon Valley Bank, vorerst. Nun bekamen auch Großbanken das Misstrauen der Anleger zu spüren; die Kurse der Bank of America, von JPMorgan und anderen gingen heftig zurück. Europa koppelte sich nicht ab. Die Deutsche Bank beispielsweise verlor am Freitag 7 Prozent.

Der untenstehende Chart verfolgt den Kurs des erwähnten Regional Banking ETF. Jedes Stäbchen bildet eine Woche ab. Links zu sehen ist der markante Corona-Kurseinbruch vom Frühjahr 2020, rechts endet der Chart mit einem ähnlich markanten Kurseinbruch, dem der gerade abgeschlossenen Woche.

Bankenindex vs S+P500: beängstigender Absturz.

Als Linie darüber habe ich den Leitindex S+P 500 eingeblendet. In ihm sind die 500 führenden US-Aktienwerte enthalten, auch Bankaktien sind im Index. Der S+P 500 verliert zwar, durch seine branchenbreitere Aufstellung schlägt die Bankenkrise allerdings bisher nicht durch.

Da Banken für das Wirtschaftssystem zentral sind, kann sich das in der nächsten Woche ändern, die Angst fräße sich dann durch angrenzende Branchen und schnell ginge es mit dem S+P 500 abwärts.

Ich kann mir vorstellen, dass Fed-Offizielle und Finanzpolitiker sich in den nächsten Tagen bemühen werden, beruhigend auf den Markt einzureden, und Börsianer werden hoffen, dass die Phase der raschen Zinserhöhungen nun bald endet - vielleicht gerade wegen des Falls der Silicon Valley Bank, welcher der Fed eindrücklich die Gefahren ihres Vorgehens bei den Zinsen verdeutlicht. Die Silicon Valley Bank soll schon am morgigen Montag einen eingeschränkten Geschäftsbetrieb im Prinzip wieder aufnehmen (Details hier).

Setzte sich bei Marktteilnehmern in der Folge eine Alles-ist-doch-im-Griff-Erzählung durch, käme es zu einer heftigen Kurserholung. Glauben Börsianer dagegen, das Knirschen im Finanzgebälk auch einer Großbank zu hören, wird alles Beruhigungsgerede nichts nutzen, dann brennt die Hütte.

Das Szenario: DAX-Volumenbalken als Anzeiger

Für mich als Privatinvestor ist die beste Option, in solch unübersichtlicher Lage demütig zu handeln. Am Beispiel des deutschen Leitindex DAX zeige ich, wie ich vorgehe.

KursDAX: Die rechts eingeblendeten Volumenbalken bieten Einsichten.

Überraschungen haben es an sich, überraschend zu sein. Die Zukunft ist mir unbekannt. Da ich Zukunft und Überraschungen nicht kenne, handele ich keine Ahnungen, sondern reagiere - mit dem Wissen um die Gesamtlage - nur auf das, was ich sehe und zwar bezogen auf meinen jeweiligen Investitionshorizont.

Der (Kurs-)DAX zeigt Wochenkurse, jedes Stäbchen präsentiert eine Woche, der Anlagehorizont ist mittelfristig. Links ist der Corona-Kurseinbruch vom Frühjahr 2020 zu sehen, er ist ähnlich deutlich wie im obigen Banken- und S+P 500-Chart. Insgesamt entwickelt der Dax eine schwächere Performance als der US-Index. Richtig Spaß macht der deutsche Index seit Oktober 2022, da hebt er plötzlich ab, erfreut bis in die gerade beendete Handelswoche hinein mit einem Kursgewinn von rund 25 Prozent. In den letzten Wochen, im Chart deutlich zu sehen, ermattet seine Aufstiegskraft. Immerhin gewinnen die Kerzen auf der Unterseite in der Tendenz noch hinzu: Weniger und weniger Investoren sind bereit, Aktien zu tieferen Kursen abzugeben. Da ist Optimismus, man bereitet sich auf einen weiteren Anstieg vor.

Nun kommt eine potentielle Bankenkrise dazwischen. Der DAX zeigt in der Wochenkerze bisher keine panische Reaktion. Ich darf bei mittelfristigem Anlagehorizont noch auf Zehenspitzen stehen und nicht handeln. Rechts sind die Volumenbalken eingeblendet, sie zeigen mir, auf welchen Kurshöhen die meisten Aktien umgeschlagen wurden. Der längste Balken ist zusätzlich mit einer durchgezogenen Linie verdeutlicht.

Stieße der DAX dorthin vor, täte er sich wahrscheinlich einige Zeit schwer, weiter nach oben zu klettern, da viele Marktteilnehmer auf das Wiedererreichen des Niveaus gewartet haben werden und nun, nach lange durchgehaltener Durststrecke, verkaufen wollen. Der zweitlängste Balken liegt bei 6000, das heißt unter dem aktuellen Niveau, und hier wird es interessant.

Zwischen dem aktuellen Kursniveau und den 6000 befindet sich nämlich eine Zone mit geringerem Volumen, das heißt es kann schnell abwärts gehen bis auf die 6000. Dort befinden sich dann vermehrt Anleger, die zu Jahresbeginn eingestiegen sind oder im April 2022 oder im Januar 2021. Sie wollen nicht in den Verlust rutschen und verkaufen, was den DAX verstärkt auf Talfahrt schicken würde. Als mittelfristig orientierter Anleger hätte ich dort zu handeln, um Verluste zu begrenzen.

Regelmäßig am Sonntagvormittag vor der anbrechenden Handelswoche schreibe und verschicke ich die kleine Marktvorbereitung Lage & Szenarienhier auf meinem privaten Emailverteiler eintragen und Lage & Szenarien am Sonntagmorgen im eigenen Email-Postfach haben. — Lebenspraktischer Hinweis für Inhaber eines Email-Accounts von T-Online oder GMX: Die zwei Anbieter unterlassen es in den meisten Fällen, meine automatische Bestätigungsmail auf deine Newsletteranmeldung in dein Email-Postfach zu legen. Ohne einen Klick deinerseits auf den Button in der (nicht zugestellten) Bestätigungsmail bist du nicht auf meinem privaten Verteiler, erhältst kein sonntägliches Lage & Szenarien. Bitte melde dich in solch einem Fall formlos per Email bei mir, ich setze dich von Hand auf die Liste.