Aktien Blog 2022 Ansichten eines Aktienanlegers
Der Chart zeigt den zehnjährigen Kursverlauf von Aktienkörben an vier Börsenplätzen rund um den Erdball.

Lage & Szenarien vom 29.1.2023

Vier Erkenntnisse zum erfolgreichen Investieren

Von Frank Sauerland

Wir sind in Aufregung. Überall sehen wir ernste Probleme. In der Ukraine ist Krieg. Die Weltwirtschaft bockt, das Klima wird heiß diskutiert.

Als Zeitgenosse beschäftigen mich diese und andere Probleme. Man spricht darüber, wählt, will verändern. Als Aktienanleger dürfen die hereinstürzenden Probleme mich aber nicht zu kurzatmigen Entscheidungen verleiten. Bin ich bei Aktien mit einem weiteren Zeithorizont unterwegs, dann hilft mir ein Blick auf das obige Chartbild, um die richtige Perspektive zu finden.

Der Chart beginnt links mit dem Jahr 2013 und endet rechts mit der aktuellen Handelswoche. Jedes Stäbchen stellt eine Woche im US-Traditionsindex Dow Jones (DJI) dar. Die farbigen Linien sind zusätzlich eingeblendet, um weitere große Handelsplätze rund um den Erdball abzubilden. Von oben nach unten verfolgen die Linien die Kursentwicklungen des japanischen Marktes (NKY), der australischen Börse (AORD) und des europäischen Euro Stoxx 50 (SX5E). - Links beginnt der Chart bei 0 Prozent, rechts ist die Skala mit den erzielten Gewinnprozenten. Vier Erkenntnisse:

Aktienkurse steigen normalerweise. Das mag man fast nicht glauben nach dem schlimmen Aktienjahr 2022, das gerade hinter uns liegt, aber auf lange Sicht steigen Aktien zumeist. Der Chart zeigt es.

In drei von vier Jahren gewann der US-Aktienmarkt über die letzten 100 Jahre hinzu, im Durchschnitt und grob geschätzt. Das heißt, die Sitzenbleiber gewannen: die Anleger, die weniger am Depot bastelten und mehr in der Nase bohrten. Die amerikanische Vermögens­verwaltungs­gesellschaft Ritholtz rechnete aus, dass am US-Aktienmarkt fast 60 Prozent der Kalenderjahre mit mindestens 10 Prozent Kursgewinnen abgeschlossen wurden.

Manchmal fallen Aktienkurse. Das wissen wir alle. Nicht nur, weil es letztes Jahr eine Kollektiverfahrung war, sondern auch weil Verluste, das haben Verhaltensforscher festgestellt, besser in Erinnerung bleiben als Gewinne. Der Verlust schmerzt lang, der Gewinn freut kurz.

Hinzu kommt, dass die Verlusttage überraschend auftreten und zumeist heftig verlaufen. Der Gewinn wird mühsam über die Zeit ersessen, der Verlust trifft den Anleger bestürzend schnell. Auch das ist in den Chartlinien zu sehen, die Zacken nach unten sind Zacken des Schmerzes. Sie treten nur manchmal auf, ihre Wirkung ist zumeist kurz, aber heftig.

Aktienkurse laufen weiter. Das Klima kippt. Der Krieg tötet. Die Katastrophe kommt. Jedoch laufen die Kurse weiter. Der Chart beweist es. In dem Zeitraum, der dort abgebildet ist, passierten viele schlimme Dinge; an manche erinnern wir uns, einiges werden wir vergessen haben, weil ständig neue Überraschungen nachdrängen. Nur die finale Katastrophe, erwartet und angekündigt von einigen, sie ist bisher immer ausgeblieben.

Vielleicht kommt sie irgendwann, aus welcher Ecke auch immer. Kursverluste dürften dann unser kleinstes Problem sein.

Insofern gilt für den fühlenden Zeitgenossen als Anleger: Er darf an der Welt verzweifeln, er darf Katastrophen fürchten. Als Klardenker zwingt er sich die Erkenntnis ab, dass die Geschichte dennoch und zum Trotze weiterlaufen wird und Kurse gestellt werden.

Wer nicht dabei ist, hat schon verloren. Ich kann Risiken ausweichen, indem ich nicht in Aktien investiere, sondern andere Anlagen wähle. Dort mögen die Risiken kleiner sein, der Erfolg ist aber auch nicht garantiert. Um den allermeisten Risiken auszuweichen, kann ich Geld aufs Sparbuch legen, es wegschließen oder vergraben. Bei solchem Vorgehen verzichte ich auf die Chance, mit Wahrscheinlichkeit mein Kapital innerhalb von zehn Jahren gut zu verdoppeln: Das gelang mit einem Korb europäischer Aktien, wie der Chart oben zeigt (SX5E, 60 Prozent). Bei australischen Werten waren es 70 Prozent Wertzuwachs (AORD), beim amerikanischen DOW 170 Prozent und beim japanischen Nikkei-Index 190 Prozent. Vergrabe ich stattdessen mein Geld, habe ich es fast sicher gesichert, aber fast ebenso sicher ein Vermögen verloren.

Regelmäßig am Sonntagvormittag vor der anbrechenden Handelswoche schreibe und verschicke ich die kleine Marktvorbereitung Lage & Szenarienhier auf meinem privaten Emailverteiler eintragen und Lage & Szenarien am Sonntagmorgen im eigenen Email-Postfach haben. — Lebenspraktischer Hinweis für Inhaber eines Email-Accounts von T-Online oder GMX: Die zwei Anbieter unterlassen es in den meisten Fällen, meine automatische Bestätigungsmail auf deine Newsletteranmeldung in dein Email-Postfach zu legen. Ohne einen Klick deinerseits auf den Button in der (nicht zugestellten) Bestätigungsmail bist du nicht auf meinem privaten Verteiler, erhältst kein sonntägliches Lage & Szenarien. Bitte melde dich in solch einem Fall formlos per Email bei mir, ich setze dich von Hand auf die Liste.