Aktien Blog 2022

Ansichten eines Aktienanlegers
S+P 500-Chart im Börsenblog: Im Tageschart abwärts.

Lage & Szenarien vom 28.8.2022

Zinsen rauf, Kurse runter

Von Frank Sauerland

Am Freitag sprach Jerome Powell zum Abschluss eine Symposiums der Notenbanker in Jackson Hole, Wyoming. Nach der Rede des Chefs der US-Notenbank Fed gaben die Aktienkurse an der New Yorker Börse in der Breite nach. Bis zum Handelsschluss verfielen die Kurse immer weiter.

Powell will die Inflation in den USA bekämpfen und deswegen wird die Fed, abhängig von der aktuellen Datenlage, fortgesetzt die Zinsen erhöhen. Powells zentrale Aussagen:

  • Die Fed ist nicht überzeugt, dass die Inflation ihren Höhepunkt bereits erreicht hat.
  • Die Fed sieht derzeit nicht, dass sie die Zinserhöhungen in nächster Zeit beenden könnte.
  • Die Fed sieht einen US-Arbeitsmarkt, der aus der Balance geraten ist. Es werden mehr Arbeitskräfte gesucht, als vorhanden sind.

Haushalte und Geschäftstätigkeit werden durch die beabsichtigten Zinserhöhungen zwar belastet, der Arbeitsmarkt könnte aber später noch größeren Schaden erleiden, wenn die Fed die Inflation jetzt nicht entschlossen bekämpfe, sagte Powell, und es ist offensichtlich, dass er sich auf die unentschlossene Hin-und-her-Notenbankpolitik der 1970er-Jahre bezog, die erst ab 1979 unter der Führung des damals ins Amt gekommenen Fed-Chefs Paul Volcker wieder eine Richtung bekam.

Volcker erhöhte in den 1980er-Jahren die US-Zinsen in der Spitze auf 20 Prozent: Die Wirtschaft ging in die Knie und Aktionäre weinten beim Blick in ihre Depots, aber die Inflation verschwand und dann kam der Boom. Vor einigen Monaten sagte Powell, Paul Volcker sei ein Vorbild.

Die Börsianer zeigten sich jedenfalls vorgestern beeindruckt von Powells Analyse und Zinsausblick. Sie verkauften.

Auch wenn Powell am Freitag in die Zukunft blickte und dort weitere Zinserhöhungen ausmachte, bleibt die tatsächlich eintretende Börsenzukunft doch unbekannt. Denn die ausgemachten Zinserhöhungen sind natürlich von den Händlern am Freitag gleich in Preise verarbeitet worden. So dass die Zukunft - leider - schon wieder im Nebel liegt. Denn Kurse beeinflussen können nur neue Neuigkeiten, die natürlich gleich wieder in Käufe und Verkäufe übersetzt würden. So läuft das Spiel und es bleibt die Frage: Gehen die Kurse rauf oder runter?

Da niemand die Antwort weiß, bleibt dem Aktienrationlisten der bewährte Blick auf die Charts, die er sich nicht mit zu vielen Hilfslinien und Oszillatoren verunklart hat.

Ich schaue mir drei Charts an. Es handelt sich immer um den Index S+P 500. In ihm sind die großen börsennotierten US-Unternehmen versammelt. Der Index dient mir auch als Hinweisgeber für die Weltwirtschaft. Der oberste Chart, ich meine denjenigen über der Überschrift, zeigt Tagesnotierungen, das bedeutet, jede Kerze steht für einen Börsentag. Der zweite Chart (unten) behandelt Wochenkerzen und der dritte Chart Monatskerzen. Die Charts reichen immer weiter zurück, und jeder Chart steht für eine andere Aktienanlagedauer, denn je nach geplantem Anlagehorizont lassen sich unterschiedliche Schlussfolgerungen ziehen. Eingeblendet ist immer die 50er-Linie. Sie glättet, bezogen auf die jeweiligen Kerzen, den Kursverlauf und verdeutlicht den Trend.

Tageschart, ganz oben. 2022 macht bislang nicht wirklich Spaß, der Trend läuft abwärts. Im Juli/August kam es zur Gegenbewegung. Anfang der abgelaufenen Woche folgte der erste Einbruch, Freitag der zweite und so ist die Wahrscheinlichkeit da, dass es auch einen dritten Rückgang geben wird, denn das Vertrauen ist angeschlagen. Die 50er-Linie aber ist bisher nicht erreicht. Nehme ich sie als Entscheidungsgeber, darf ich noch verkaufszögern.

S+P 500-Chart im Börsenblog: Im Wochenchart abwärts.

Wochenchart. Hier bin ich mit etwas längerem Anleger-Atem unterwegs und meine Entscheidungen fielen anders und werden anders fallen. Ich bin Januar/Februar ausgestiegen. Da schnitt der verfallende Kerzenkurs die 50er-Linie. Im März wäre ich ins Grübeln gekommen, eingestiegen, ausgestiegen und schaue seitdem von der Seitenlinie zu: Eine weise Entscheidung und es besteht kein Anlass, sie zu ändern.

Nichts passiert: Börsenblog-Chart des S+P 500 in der Monatskerzenansicht.

Monatschart. Er könnte unter der Überschrift stehen: „War was?” Ob der Fed-Chef Powell oder Volcker heißt, der Präsident Trump, Biden oder sonstwie, ob Putin Panzer rollen lässt und Gas lieber an einer russischen Pipelinepumpstation abfackeln lässt, als es den Deutschen zu verkaufen, der Index schwankt, aber marschiert letztlich nach oben und hält sich oberhalb der 50er-Linie. Einzig das Corona-Virus schaffte es, die Kerzen kurz kratzen zu lassen an der Durchschnittslinie. Ansonsten heißt das Motto: investieren und schlafen legen.

Je nach Anlagehorizont kann ich aus den jeweils korrespondierenden Charts unterschiedliche Handlungsempfehlungen für mich ableiten. Der Anlageerfolg ist damit nicht garantiert. Ein Chartbild listet lediglich Vergangenheit auf und erlaubt, Wahrscheinlichkeiten abzuwägen. Bei Lichte betrachtet ist das aber schon ziemlich viel. Ich investiere lieber, wenn ich die Wahrscheinlichkeit auf meiner Seite sehe, als dass ich mich gegen sie stelle.

Immer sonntags vor der anbrechenden Handelswoche schreibe und verschicke ich die kleine Marktvorbereitung Lage & Szenarienhier auf meinem privaten Emailverteiler eintragen und Lage & Szenarien am Sonntagmorgen im eigenen Email-Postfach haben. — Lebenspraktischer Hinweis für Inhaber eines Email-Accounts von T-Online oder GMX: Die zwei Anbieter unterlassen es in den meisten Fällen, meine automatische Bestätigungsmail auf deine Newsletteranmeldung in dein Email-Postfach zu legen. Ohne einen Klick deinerseits auf den Button in der (nicht zugestellten) Bestätigungsmail bist du nicht auf meinem privaten Verteiler, erhältst kein sonntägliches Lage & Szenarien. Bitte melde dich in solch einem Fall formlos per Email bei mir, ich setze dich von Hand auf die Liste.