Aktien Blog 2022

Ansichten eines Aktienanlegers
Deutsche Telekom: Zwei Pfeile zeigen die Richtung des Kurses.

Lage & Szenarien vom 10.7.2022

Deutsche Telekom - die Riesen-Chance

Von Frank Sauerland

Die Lage: Ich nehme den breit angelegten US-Aktienindex S+P 500 als großen Marktanzeiger. Er verbuchte in der abgelaufenen Woche Kursgewinne. Insbesondere die bislang verprügelten Big Tech-Aktien machten Boden gut. Da die US-Zentralbank Fed die Zinsen erhöht, war allgemein in letzter Zeit die Angst verbreitet vor dem Abgleiten der Wirtschaft in eine Rezession. Doch die jetzt vom Labor Department veröffentlichten Arbeitslosenzahlen zerstreuten die Sorgen, zumindest für diese Woche: In den USA wurden 372.000 neue Jobs gemeldet, erwartet worden waren lediglich 250.000.

Das Szenario: Nach einem schlimmen ersten Aktienhalbjahr kommt die Ahnung einer sommerlichen Entspannung auf. Beim Ukraine-Krieg setzt Gewöhnung ein, Deutschlands Gas-Malaise interessiert international niemanden und über ein am Horizont flackerndes Euro-Krisengewitter will man sich während eines Sommers am Strand keine Sorgen machen, schließlich könnte das auch nur ein harmloses Wetterleuchten sein, welches sich wieder verzieht. Der Euro-Kurs sinkt gegenüber dem Dollar, damit ist das Thema vorerst ausreichend in den Markt eingearbeitet. Mitte der kommenden Woche werden in den USA neue Daten zur Inflation veröffentlicht, sie dürften der Katalysator sein für die Börsenkursverläufe in der Restwoche.

Sommerlage und ein mögliches Szenario sind zügig abgehandelt und nun geht es zur Riesen-Chance, der Deutschen Telekom, der Chart ist oben zu sehen, und die Chance wird anders sein, als es sich im ersten Zugriff darstellt, größer womöglich und verlustvermeidender.

Der obige Telekom-Chart beginnt 2012 und reicht bis heute, der Kurs wird in Kerzen angezeigt, wobei jede Kerze für einen Monat steht. Je länger die Kerze, desto größer ist die Kursschwankung im Monat. Steht der Kurs am Ende des Monats höher als zu Monatsbeginn, dann ist die Kerze grün gefärbt, im umgekehrten Fall rot.

Der linke Pfeil, von mir eingezeichnet, verdeutlicht den Anstieg der Telekom-Aktie von 2012 bis zum Höhepunkt 2015. Es folgt eine Phase der Stagnation und des Abstiegs, dann der Wiederaufstieg … Ich habe dafür einen gebogenen Pfeil eingezeichnet, und im aktuellen Jahr geht der Kurs endgültig über die alten Höchststände hinaus. Nach den letzten Kursgewinnen verharrt er, gibt wenig ab, scheint Kraft zu holen für den nächsten Anstieg. — Ist das die Riesen-Chance?!

Moment … eine Möglichkeit ist da sehr wohl und wahrscheinlich ist es, dass sich das Kursbild nach oben auflöst, wiewohl die Zukunft natürlich unbekannt ist.

Die Riesen-Chance liegt woanders, ist aber auch im Chart der Telekom zu finden und zwar in diesem hier:

Deutsche Telekom: Der Berg ruft.

Ups, das sieht nicht so schön aus. Es ist dieselbe Aktie, es sind ebenfalls Monatskerzen, es ist aber ein anderer Zeitausschnitt und die eben noch überzeugende Aufwärtsbewegung im Telekom-Chart Nummer 1 (ganz oben) ist im Chart Nummer 2 nahezu unsichtbar, im rechten Drittel des Bildes bloß zu ahnen. Der Chart Nummer 2 macht eine kompletto neue Aussage, und sie ist so deutlich, dass ich keine zusätzlichen Pfeile einzeichnen muss. Die Aussage ist:

They never come back.

Das Hoch ist im Jahr 2000. Es ist das gefühlte Jahr der Volksaktien-Werbung, Manfred Krug und Thomas Gottschalk ließen sich bezahlen, um für die Telekom-Aktie zu werben, und das Volk entdeckte das Thema Aktie und kaufte. Es war Boom, an der Börse und sonstwo, und es folgte der Absturz, bei den damaligen Tech-Aktien, beim damaligen „Neuen Markt”, bei der Telekom-Aktie.

Dieses Papier und viele andere Papiere erreichten nie mehr die alten Höhen. Die unerfahrenen Neuanleger, gerade hatten sie Aktien als Anlageform entdeckt und mancher hatte sich die Telekom-Volksaktie ins frisch eingerichtete Depot gelegt, sie hielten an ihrer Neuerwerbung oftmals fest. Der erste Kauf: gleich ein kapitaler Fehler, das gibt man nicht gern zu, schon gar nicht sich selbst gegenüber, und so wurde das Telekomding im Depot behalten, und jeden Monat ging es von 2000 bis 2002 katastrophal weiter bergab mit dem Kurs.

Aber der Kurs würde sich erholen … dachte man, hoffte man. Pustekuchen, da erholt sich 20 Jahre lang gar nichts.

They never come back.

Okay, einige, ganz wenige vielleicht. Amazon zum Beispiel. Aber es wäre illusorisch, wenn ich mir einbildete, heute zu wissen, welche von den vielen, vielen, vielen Loosern der vergangenen sechs Monate, die im Jahr 2020 und 2021 zunächst ähnlich hoch gestiegen sind wie damals die Telekom, in den vor uns liegenden Monaten zurückkommen werden, also den glorreichen Wiederaufstieg schaffen. Es werden wenige sein. Zu wenige um darauf zu setzen. Anleger werden in der Mehrheit neue Favoriten entdecken, welche neue und bessere Lösungen bringen für heutige und künftige Probleme und Bedürfnisse. Die Riesen-Chance ist, das Phänomen überhaupt zu bemerken: Alte Börsenlieblinge erreichen alte Höhen nur in Ausnahmefällen wieder. Für mich lohnt es sich nicht, darauf zu setzen. Wahrscheinlicher ist, das in neuen Boom-Zeiten neue Aktienwerte aufsteigen werden.

Mindestens zwei Möglichkeiten existieren, davon zu profitieren. Nachdem ich mich von den Loosern getrennt habe, um Cash zu generieren, kann ich Charts beobachten. Die künftigen Börsenstars steigen schließlich nicht geheim auf, sondern vor der Weltöffentlichkeit. Ich kann zusehen und mich einkaufen. Oder ich bleibe auf dem Sofa sitzen, statt mich vor dem Computerbildschirm durch Charts zu wühlen. Auf dem Sofa lümmelnd klicke ich einmal, um mir einen Index-ETF zu kaufen und das war’s. Der Index arbeitet für mich. In ihm sind zwar auch zahlreiche aktuelle und künftige Verlierer-Aktien. Aber sie werden über die Monate und Jahre zuverlässig aus dem Index aussortiert. Genauso werden die neuen Stars einsortiert. Nicht so früh, dass es mir ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert; aber früh genug, um den Index recht zuverlässig immer weiter und über Jahre und Jahrzehnte hinweg nach oben zu schieben.

Noch kurz zur Telekom-Aktie: Natürlich ist die Chance da, von der ich beim ersten Chart gesprochen habe, und die Chance widerspricht nicht dem zweiten Chart. Beide Charts zusammen ergeben das Bild. Der Telekom-Aktienkurs kann in den nächsten Monaten steigen, aber die Höhen von 2000 wird er nicht mehr erreichen.

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