Ansichten eines Aktienanlegers

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Lage & Szenarien vom 4.10.2021

Reise in 8 Charts um die Welt

Sollte der ein oder andere Anleger mit seiner bisher in diesem Jahr erzielten Rendite unzufrieden sein, an seinen Anlegekünsten zweifeln, die Charts zeigen Ursachen. Aber es gibt Grund zur Hoffnung, noch in diesem Jahr.

Ich reise in acht Charts um die Welt, links im Chart ist immer der Jahresbeginn 2021 zu sehen, jedes Stäbchen stellt einen Handelstag dar, rechts ist der aktuell letzte abgeschlossene oder andauernde Handelstag notiert, die Währungen wechseln je nach Chart.

Der Hang Seng Index (ganz oben) macht den Anfang, er wird in Hongkong geführt, beinhaltet die 50 meistgehandelten dortigen Werte. Seit dem Hoch im Februar bröselt es abwärts. Interpretation: Das hat politische Gründe, der Konflikt USA/China zieht die Kurse nach unten. Ebenso schwer wiegt, dass die chinesische KP die Zügel bei den erfolgreichen Tech-Unternehmen anzieht, nicht länger sollen einzelne Unternehmer und Aktionäre reich werden, das Volk soll teilhaben.

Der SSE Composite Index (oben) bestätigt das Bild. In ihm sind chinesische Aktien ohne Hongkong versammelt. Er sieht im ersten Moment etwas besser als der Hang Seng aus und man kann darüber spekulieren, ob der SSE stärker unter chinesischem Machteinfluss liegt, die Kursoptik von daher aufgehübscht ist. Letztlich ist es egal, auch der SSE zeigt keine Perspektive, die mich als Privatanleger denken lässt, da lägen künftige Chancen.

Der KOSPI ist interessant. Aus zwei Gründen. Zum einen gilt die südkoreanische Wirtschaft als innovationsfreudig, folgerichtig ist der dortige Markt häufig wie ein Zukunftslabor zu betrachten für die westliche Welt. Nur, leider, spuckt das Labor dieses Jahr bisher nur einen großen Bogen aus; der startet im Januar verheißungsvoll, findet im Sommer seinen Hochpunkt und fällt seitdem wieder zurück … mmh. — Zum zweiten ähnelt das Bild überraschend dem deutschen Vorzeigeindex.

Auch der DAX beginnt das Jahr gut, macht diesen Bogen, mit gegenüber Südkorea gebührender Verspätung von einigen Wochen; auch der DAX fällt seit dem Sommer zurück. Statt eines Bogens kann ich als zweite Interpretation eine langgestreckte Seitwärtsphase sehen, sie dauert seit Ende März bis zum heutigen Tag an, schrappt gerade an der unteren Begrenzung, sollte dort besser nicht durchfallen.

Der japanische Nikkei — seitwärts.

Taiwans TWSE sieht besser aus. Okay, schaue ich genauer hin … richtig gut bis in den Sommer, dann September ein zweites Top … huch ein Doppeltop?! Wenn nur die 38 Kampfjets nicht wären, die in Taiwans Luftraum eingedrungen sind. Sie erinnern an den schwelenden China-Taiwan-Konflikt, Chinas KP-Chef Jinping will Taiwan unbedingt heim ins Reich holen, die Frage ist, wie unbedingt.

Geografisch relativ nah dran am möglichen Konfliktherd liegt Australien. Der All Ordinaries-Index Australiens zeichnet die bekannte Bogenstruktur … eine zwingende Investitionsaufforderung stellt sich für mich anders dar.

Abschließend schaue ich auf den amerikanischen Markt, diesmal nicht mit dem S+P 500, sondern dem Russell 2000, der US-Nebenwerte enthält, den Marktzustand breiter darstellt als der S+P 500, der einen Schwerpunkt bei Technologieunternehmen hat. Seit Februar zeigt der Russell eine Seitwärtsbewegung.

8-Charts-Schlussfolgerung: Auf Index-Basis betrachtet war es schwer bis unmöglich, den allgemeinen Markt zu übertreffen. Bei Einzelwerten mögen sich ganz andere Chancen geboten haben, doch in der Breite bewegte sich der Markt wenig voran. Trotz des Geldsegens der Notenbanken. — Das frische Geld floss vor allem in die großen US-Tech-Werte, der S+P 500 profitierte, und Anleger profitieren, welche den nur vermeintlich ausgetretenen Pfaden folgten.

Schlussfolgerung zwei: Nun beginnt das traditionell ertragswichtige letzte Quartal des Jahres. China ist für mich weiterhin kein Investitionsthema. Big Tech ist am Anschlag. Nebenwerte haben Nachholbedarf. Aber nicht unbedingt in der Breite, wie die Charts zeigen. Die Rendite wird bei Einzelwerten zu holen sein.

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