Ansichten eines Aktienanlegers

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Lage & Szenarien vom 11.4.2021

Aktienmarkt: So kann es weitergehen

Die Illustration oben besteht aus drei Einzeltafeln, welche nacheinander abgespielt werden. Sie zeigen das große Bild am Aktienmarkt. Das große Bild erlaubt, ein wahrscheinliches Zukunftsszenario zu zeichnen.

Zu sehen ist nacheinander:

  1. der S+P 500 als Stäbchenchart
  2. ein Pfeil und drei kleine Kurven oder Kappen, die ich eingezeichnet habe
  3. der Fear & Greed-Index als schwarze Linie.

Der S+P 500 ist der breite amerikanische Aktienindex. Ich nehme ihn stellvertretend für den Gesamtaktienmarkt, um für mich das Bild zu entwerfen. Jedes Stäbchen im Chart ist ein Tag. Links im Bild sehe ich den Corona-Absturz im März 2020. Das letzte Stäbchen auf der rechten Seite ist der aktuellste Handelstag, Freitag, der 9.4.2021.

Der Trend ist deutlich, mein Pfeil in der zweiten Einblendung zeigt ihn, es geht aufwärts.

In der dritten Einblendung kommt eine schwarze Linie hinzu. Sie trägt den Fear & Greed-Index auf. Hier ist Erläuterung und Originalquelle des Index'. Meine Kurzerklärung: Der „Angst-und-Gier-Index” kalkuliert aus verschiedenen Quellen die Anlegerstimmung. Sie wandert Tag für Tag hin und her zwischen den Polen „Angst” vor Verlusten und „Gier” nach Gewinnen.

Die Überlegung hinter dem Fear & Greed-Index ist so: Wenn die Gier am größten ist, die schwarze Linie im Bild weit oben ist, dann haben sich die meisten Handelsteilnehmer bereits mit Papieren eingedeckt. Was soll noch kommen? Alle sind bedient, die Nachfrage geht zurück. — Umgekehrt, wenn die Angst am Anschlag ist, die schwarze Linie nach unten zackt, dann haben alle Angsthasen verkauft, und wenn keiner mehr verkauft, werden die Kurse ans Halten kommen und die ersten Mutigen kaufen …

Die linke Skala zeigt die Werte für den Fear & Greed-Index, die rechte Skala die Kurswerte des S+P 500. Beim Fear & Greed wird der Wert 50 als „neutral” eingestuft, darüber geht es in den gierigen Bereich. 100 Punkte sind maximal möglich.

Nach den Theorieabsätzen wird es nun spannend. Wir holen die Lupe heraus und lassen uns vom Chart erzählen, wie die Marktlage ist.

  • Der Trend ist stabil seit dem Coronaeinbruch im Februar/März letzten Jahres.
  • Unter Einsatz der Lupe sehe ich eine Aufsteilung des Trends in den letzten Tagen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Verschnaufers. Zu steil ist nicht gesund.
  • Die drei blauen Kurven oder Kappen, die ich eingezeichnet habe, zeigen solche Verschnaufer. Jede Kappe findet auf höherem Niveau als die vorhergehende statt. Das ist wunderbar, es demonstriert einen starken Trend.
  • Der S+P 500 geht in den letzten Tagen steil, der Fear & Greed-Index fällt zugleich ab. Das heißt die Anleger verspüren keine Euphorie, sie werden eher skeptisch. Das stützt den übergeordneten Trend.
  • Die Volatilität fällt seit dem Corona-Einbruch, der Chart unten zeigt es anhand des Volatilitätsindex’ VIX. Höhere Volatilität, eine stärkere Schwankungsbreite signalisiert Unsicherheit. Zurückgehende Volatilität steht für ein steigendes Sicherheitsgefühl der Anleger.

Das Ergebnis des Lupenblicks: Die Lage ist ausgezeichnet. — Natürlich gibt es gewichtige Einwände. Die gibt es immer.

  • Der S+P 500 wird nur noch von den Indexschwergewichten getragen.
  • Bei den kleinen Werten trocknet das Volumen aus.
  • Wir laufen in eine Übertreibung.
  • Die Inflationsgefahr steigt, damit wachsen die Zinsängste: Gift für die Kurse.
  • Dann die Querschüsse aus der Politik: Atom-Kim, Atom-Iran, China gegen Biden usw.

Gegen den Trend kann man sich also mit guten Argumenten stellen. Aber besser nicht mit gutem Geld. Denn warum sollte der Trend ausgerechnet jetzt brechen. Möglich ist es. Möglich ist alles. Aber ist es auch wahrscheinlich?

Wahrscheinlicher ist ein Verschnaufer. Im großen Bild wahrscheinlich ist ein Weiterlaufen des monatelangen Trends. Das ist mein Szenario.

Sollte jedoch das Unwahrscheinliche eintreten, möglich ist es schließlich, dann greift das Risikomanagement. Dazu mehr in meinem regelmäßigen Newsletter zur Börse.