Ansichten eines Aktienanlegers

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Lage & Szenarien vom 14.2.2021

Höchststand am Aktienmarkt - und nun?

Die Kurse erklimmen Gipfelhöhen. Gefährliche Gipfelhöhen. Das Bild oben zeichnet den Verlauf des CAPE Ratios nach, der auch Shiller P/E Ratio genannt wird nach seinem Entwickler, dem Nobelpreisträger Robert J. Shiller.

Der weithin beachtete CAPE Ratio versucht, die Bewertung von Anlagen über längere Zeiträume hinweg beurteilbar zu machen. Ziehe ich den CAPE Ratio heran, so wären die Bewertungen von US-Aktien zur Zeit außergewöhnlich hoch.

Der erste Pfeil im Bild oben zeigt auf das Jahr 1929. Die Kurse erreichten einen Wert um 30 auf der Skala des CAPE Ratios. Unmittebar danach kam der Kursabsturz. Die Weltwirtschaftskrise begann.

Den zweiten Pfeil habe ich im Jahr 2000 gemacht, da war der Wert auf 48 und der Absturz folgte sogleich.

Zum Jahresbeginn 2021 lag der Wert ähnlich hoch wie 1929, stieg bis Freitag weiter an. Das mahnt zur Vorsicht.

Der CAPE Ratio ist allerdings kein Absturzvorhersageinstrument. Er ist ein Indikator unter mehreren. Ich kann ihn als Anleger zu Rate ziehen, um die aktuelle Lage zu beurteilen. Er sollte jedoch nicht mein einziges Entscheidungskriterium sein. Hier wird der CAPE Ratio von seinem Entwickler Robert J. Shiller erklärt. Der Nobelpreisträger stellt dort auch sämtliche nötigen Marktdaten als xls-Sheet bereit.

Für mich sind mehrere Szenarien möglich. Der breite US-Index S+P 500 erreichte am Freitag den höchsten Kursstand seiner Geschichte. Die Luft ist dünn, der CAPE Ratio hoch. Der Markt kann bockig werden, in beide Richtungen ausschlagen. Oder die Kurse könnten von jetzt an lange Zeit seitwärts laufen. Schließlich sind die Unternehmensgewinne von Jahren bereits eingepreist, müssen erst mal erarbeitet werden. — Das klingt als Zukunftsschau alles unbefriedigend?

Ach was, für einen aufgeklärten Anleger könnte die Lage kaum besser sein.

Da die Kurse weit nach oben gelaufen sind, der CAPE-Ratio hoch ist, die Situation zur Vorsicht mahnt, ist es naheliegend, beiseite zu treten. Sich von Aktienanlagen zu verabschieden, keine neuen Engagements zu wagen. Cash is king.

Das ist der einfache Weg.

Geld verdient wurde auf ihm selten. Schwieriger ist es, mit all dem Wissen um den Zustand des Marktes und all den Bedenken dabei zu bleiben, sogar neue Möglichkeiten nicht nur zu sehen, sondern auch wahrzunehmen.

Letzten Sonntag stellte ich drei Aktien vor. Porch, Extreme Networks, Himax. Das Montag-bis-Freitag-Ergebnis von Porch sind 5 Prozent Zugewinn, Extreme Networks 2 Prozent, Himax 15 Prozent. (Keine aktuelle Kaufempfehlung, Neuvorstellungen nur per Mail.) Ermüden die großen Indices wie der S+P 500 nun, so hat der engagierte Anleger immer noch die Möglichkeit, auf der Ebene von Einzelwerten neue Gewinnchancen zu finden. Die Notenbanken stellen weiter frisches Kapital zur Verfügung, das Geld fließt auch in den Aktienmarkt. Dort sucht es nach Unternehmen, die zupackend und mit Weitblick unerschlossene Märkte entwickeln, indem sie fortschrittliche Produkte schaffen.

Als Anleger ist es meine Aufgabe, bestmöglich die Sektoren zu identifizieren, die zukunftsträchtig sind, die große Entwicklungsschritte versprechen. Innerhalb eines solchen Sektors treffe ich mit Kennzahlen und Chartverläufen eine Feinauswahl. Mehr dazu in meiner nächsten Mail.

Schwächeln aber nicht nur die breiten Indices, sondern zunehmend auch die Einzelwerte, welche ich für mich herausgesucht habe, dann ist die Zeit gekommen, abgestuft Engagements zurückzunehmen.

Bei Kursen auf gefährlichen Gipfelhöhen ist das die rationale Herangehensweise für einen Anleger, der die Zukunft nicht kennt, sich aber in sie hinein engagieren möchte.

Zur Vorbereitung auf die Börsenwoche schreibe ich regelmäßig sonntags "Lage & Szenarien" und verschicke es über meinen privaten Emailverteiler - hier entlang bitte.